Dr. Steffen M. Jauß, M.A.

Steffen Jauß ist wissenschaftlicher Mitarbeiter und Habilitand am Institut für Rechtsgeschichte der Goethe-Universität in Frankfurt am Main. Nach seiner Promotion im geltenden Zivilrecht sowie in der europäischen Privatrechtsgeschichte beschäftigt sich sein Habilitationsprojekt mit Aspekten eines allgemeinen Vertragsrechts der altbabylonischen Zeit. Seine akademische Laufbahn ist durch einen interdisziplinären Ansatz geprägt, der juristische mit altertumswissenschaftlicher Expertise verbindet. Für seine Leistungen wurde Jauß mehrfach ausgezeichnet. Seine Forschung umfasst auch die Bereiche des Kulturgutschutzes sowie der Fachdidaktik der Rechtswissenschaft.

Werdegang

  • seit 2017 wissenschaftlicher Mitarbeiter bei Prof. Dr. Guido Pfeifer, Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt am Main
  • 2024 Promotion zum Doktor der Rechtswissenschaft, Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt am Main (Betreuer: Prof. Dr. Guido Pfeifer; Zweitgutachterin: Prof. Dr. Katja Langenbucher)
  • 2017–2021 Studium der Archäologie und Kulturgeschichte des Vorderen Orients mit Abschluss: Master of Arts, Johann Wolfgang Goether-Universität Frankfurt am Main
  • 2017–2019 Juristischer Vorbereitungsdienst beim Pfälzischen OLG Zweibrücken, Zweite juristische Staatsprüfung
  • 2012–2017 Studium der Rechtswissenschaft mit Abschluss: Erste Juristische Prüfung, Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt am Main
  • 2010–2012 Studium der Assyriologie, Vorderasiatischen Archäologie sowie Ur-/Frühgeschichte mit Abschluss: Bachelor of Arts, Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg
  • 2007–2011 Studium des Lehramtes an Sonderschulen mit Abschluss: Erste Staatsprüfung für das Lehramt an Sonderschulen, Pädagogische Hochschule Heidelberg

Internationale Erfahrung

Preise, Stipendien, Auszeichnungen

  • Ehrung des Landes Hessen für die besten Absolventen der juristischen Prüfungen des Jahres 2017

Gremienarbeit, Mitgliedschaften, sonstiges

  • seit 2025 Mittelbauvertreter im Fachbereichsrat des Fachbereichs Rechtswissenschaft, Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt am Main
  • seit 2017 Mittelbauvertreter im Prüfungsausschuss des Fachbereichs Rechtswissenschaft, Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt am Main (seit 2025 stellvertretendes Mitglied)
Tontafel

Steffen Jauß beschäftigt sich mit der antiken Rechtsgeschichte, wobei neben dem Römischen Recht ein Schwerpunkt insbesondere den Rechtskulturen Mesopotamiens und des bronzezeitlichen Anatolien gilt. Weiterhin umfasst seine Forschung die Europäische Privatrechtsgeschichte, das geltende Zivilrecht, das Kulturgüterschutzrecht und die Fachdidaktik der Rechtswissenschaft.

Habilitationsprojekt

Beiträge zum altbabylonischen Vertragsrecht

Das Habilitationsprojekt untersucht allgemeine Aspekte des altbabylonischen Vertragsrechts. Trotz der reichhaltigen Überlieferung in Form von Keilschrifturkunden fehlt bislang eine grundlegende Analyse ihrer juristisch-geistesgeschichtlichen Grundlagen. Das wird nicht zuletzt auf das Fehlen jeder Dokumentation einer theoretischen Reflexion solcher Fragen zurückgeführt.

Das Projekt untersucht speziell der alltäglichen Praxis entstammende Meta-Texte (Briefe, Prozessurkunden u.ä.) auf Aussagen über Verträge. Ziel ist nicht nur eine detailliertere Beschreibung der Vertragsterminologie sondern auch eine Erfassung emischer Verständnisse des Vertragsschlusses sowie der Vertragstypologie. Auf diese Weise sollen vor allem aus der bisherigen Erläuterung von Urkunden anhand Phänomenen anderer Rechtsordnungen folgende Anachronismen vermieden werden.

Promotionsprojekt (abgeschlossen)

Handeln in fremdem Namen

Das Promotionsprojekt untersucht das Handeln in fremdem Namen als Tatbestandsmerkmal der Stellvertretung. Trotz dieser zentralen Bedeutung wurde es in der Fachliteratur kaum eingehend behandelt. Im Sinne europäischer Privatrechtsgeschichte wird zunächst nachvollzogen, wie es in den Diskursen des 19. Jahrhunderts seine heutige Bedeutung annahm, in den Wortlaut des BGB übernommen und seitdem vorwiegend verunklart wurde. In zivilrechtsdogmatischer Hinsicht werden die seitdem etablierten Verständnisses jenes Handelns in fremdem Namen sowie die darauf gestützten dogmatischen Figuren kritisch bewertet.

Das Projekt zeigt, dass sich das Handeln in fremdem Namen funktional als eine der Zurechnungsentscheidung vorgelagerte, rechtsgeschäftliche Drittzuordnung verstehen lässt. Diese dient dem Interessenausgleich aller bei der Stellvertretung beteiligten Rechtssubjekte. Diese Einsicht eröffnet auch neue Perspektiven auf eine Reihe alter Streitfragen des Stellvertretungsrechts.

Monographien

Handeln in fremdem Namen. Ein Beitrag zur Dogmatik des Stellvertretungsrechts (Studien zum Privatrecht 134), Tübingen 2025.
DOI: 10.1628/978-3-16-164285-2

Rechtsfragen der Herdenhaltung am mittleren und unteren Euphrat in altbabylonischer Zeit (Münchener Beiträge zur Papyrusforschung und antiken Rechtsgeschichte 122), München 2023.
DOI: 10.17104/9783406809729

Besprechungen

Aufsätze in Fachzeitschriften und Sammelwerken

Die praepositio, quasi ein iussum?, Zeitschrift der Savigny-Stiftung für Rechtsgeschichte: Romanistische Abteilung 143 (2026), 1–114 [im Druck].

Artikel zum deutschen Recht im Dictionnaire comparé du droit du patrimoine culturel, 2. Aufl., Paris 2025:

  • bien culturel (Kulturgut), 315–322.
  • trésor national (nationales Kulturgut), 1504–1511
  • revendication (action en) (Herausgabeanspruch), 1426–1431.
  • prescription (acquisitive – extinctive) (Ersitzung/Verjährung), 1239–1242.
  • libéralités (Don, Donation, Legs) (unentgeltliche Zuwendung), 902–906.

Kontingenzbewältigung im Spannungsfeld von Recht und Religion im Alten Orient, in: M. Gassner/K. Staudigl-Ciechowicz/A. Novitskaya (Hg.), Rechtssicherheit im Wandel der Zeit (Junges Netzwerk Rechtsgeschichte 2), Baden-Baden 2025, 13–22.
DOI: 10.5771/9783748948643-13

Pathologische Strategien bei der klausurmäßigen Fallbearbeitung. Eine Fallstudie, Kritische Vierteljahresschrift für Gesetzgebung und Rechtswissenschaft 104 (2022), 187–210.
DOI: 10.5771/2193-7869-2022-2-187

‚Kulturgut' und ‚nationales Kulturgut'. Gedanken zu einem zeitgemäßen Begriffsverständnis, Kritische Vierteljahresschrift für Gesetzgebung und Rechtswissenschaft 102 (2019), 343–361.
DOI: 10.5771/2193-7869-2019-4-343

Zur Konzeption des Vertrages zwischen Pharao Ramses II. und Großkönig Ḫattušili III. (1259 v. Chr.), Zeitschrift der Savigny-Stiftung für Rechtsgeschichte: Romanistische Abteilung 135 (2018), 21–75.
DOI: 10.26498/zrgra-2018-1350105

Shall assessment drive learning? Vom Sinn und Unsinn eines ‚constructive aligment' des universitären Rechtsunterrichts, Zeitschrift für Didaktik der Rechtswissenschaft 5 (2018), 189–207.
DOI: 10.5771/2196-7261-2018-3-189

Kulturgutschutz unter Wirtschaftlichkeitsvorbehalt, Kritische Vierteljahresschrift für Gesetzgebung und Rechtswissenschaft 101 (2018), 150–170.
DOI: 10.5771/2193-7869-2018-2-150

Archäologische Zufallsfunde, Schatzregalien und das neue KGSG, Kunst und Recht 20 (2018), 56–60.
DOI: 10.15542/KUR/2018/2/4

Zur Frage des Erwerbs abhandengekommener, rechtswidrig ausgegrabener oder unrechtmäßig eingeführter Kulturgüter, Neue Juristische Online-Zeitschrift 18/16 (2018), 561–564.

Quo vadas Juristen(aus)bildung? Zu den theoretischen Grundlagen zeitgemäßen Rechtsunterrichts, Kritische Vierteljahresschrift für Gesetzgebung und Rechtswissenschaft 100 (2017), 101–120.
DOI: 10.5771/2193-7869-2017-2-101

Lucidum Intervallum. Untersuchungen zu einer überholten Rechtsfigur, Kritische Vierteljahresschrift für Gesetzgebung und Rechtswissenschaft 99 (2016), 334–349.
DOI: 10.5771/2193-7869-2016-4-334

Kasuistik – Systematik – Reflexion über Recht. Eine diachrone Betrachtung der Rechtstechnik in den Hethitischen Rechtssätzen, Zeitschrift für Altorientalische und Biblische Rechtsgeschichte 21 (2015), 185–206.
DOI: 10.13173/ZAR.21.1.185

Zur Sicherung von Mitgiften nach neubabylonischen Rechtsurkunden, in: G. Thür/S. Avramovic/A. Katancevic (Hg.), Marriage and family property, Belgrad 2015, 9–19.
Abrufbar über academia.edu

Entscheidungsbesprechungen/-anmerkungen

Beweisfragen rund um Eigentum und Ersitzung. BGH, Urteil vom 19.07.2019, V ZR 255/17, Juristische Ausbildung 42 (2020), 365–377.
DOI: 10.1515/jura-2019-2349

gemeinsam mit D. M. Siegel: Anmerkung zu BGH, Beschluss vom 20.2.2019, XII ZB 364/18 (Sozialhilferegress beim elternunterhaltspflichtigen Schenker), Mitteilungen des Bayerischen Notarvereins, der Notarkasse und der Landesnotarkammer Bayern 2020, 162–165.
Gesamtes Heft abrufbar über notare.bayern.de

Verjährung bei elektiver und alternativer Anspruchskonkurrenz. Anmerkungen zum Urteil des BGH vom 27.09.2017, VIII ZR 99/16, Juristische Ausbildung 40 (2018), 598–605.
DOI: 10.1515/jura-2018-0125

Rezensionen

Jocachim Oelsner, Der Kodex Ḫammu-rāpi, Textkritische Ausgabe und Übersetzung, Münster 2022, Zeitschrift für altorientalische und biblische Rechtsgeschichte 29 (2023), 243–249.
DOI: 10.13173/ZAR.29.1.243

Betina Faist, Assyrische Rechtsprechung im 1. Jahrtausend v. Chr., Münster 2020, Zeitschrift der Savigny-Stiftung für Rechtsgeschichte 139 (2022), 508–515.
DOI: 10.1515/zrgr-2022-0022

Pamela Barmash, The Laws of Hammurabi at the confluence of royal & scribal traditions, New York 2020, Rechtsgeschichte – Legal History 30 (2022), 216–218.
DOI: 10.12946/rg30/216-218

Kerstin von der Decken/Frank Fechner/Matthias Weller (Hg.), NomosKommentar Kulturgutschutzgesetz, Baden-Baden 2020, Zeitschrift für geistiges Eigentum 13 (2021), 241–247.
DOI: 10.1628/zge-2021-0016

Ausbildungsliteratur

Kleines Missgeschick – langer Streit, Zeitschrift für das juristische Studium 15 (2022), 380–386. [= Übungsklausur für Fortgeschrittene]
Abrufbar über zjs-online.com

Der gestohlene ‚Schiele', Zeitschrift für das juristische Studium 14 (2021), 311–318. [= Übungsklausur für Examenskandidaten]
Abrufbar über zjs-online.com

Mängel des Zuordnungswillens beim (vermeintlichen) Stellvertreter, Juristische Ausbildung 42 (2020), 199–210.
DOI: 10.1515/jura-2019-2247

»Von Schatzfunden und Regalien«, Juristische Ausbildung 41 (2019), 628–641. [= Übungsklausur für Examenskandidaten]
DOI: 10.1515/jura-2019-2100

New Perspectives on Old Babylonian Contract Law, Gastvortrag am Department of Near Eastern Studies der Johns Hopkins University, 25. Februar 2026, Baltimore (MD).

Kritische Anmerkungen zu Lenels Rekonstruktion der actio institoria, Romanissimum, 21. November 2025, Wien.

Legal Language in the Ancient Near East and the Limits of Modern Terminology
8th Seminar of the International Network of Doctoral Studies in Law
16.–16. Oktober 2025, Paris.

„Real-“ und „Konsensualverträge“ im altbabylonischen Recht – Zum Einfluss der Romanistik auf die Altorientalistik
19. Jahrestreffen des Collegiums der Jungen Romanisten
28.–31. Mai 2025, Bologna.

From great severity to great leniency – The alleged „modernity“ of Hittite Law,
3. Alexander von Humboldt-Conference on Human Dignity and Human Rights in Ancient Near East, Israel and Hellas
4.–6. Mai  2025, Thessaloniki (fand als Online-Konferenz statt).

Kontingenzbewältigung im Spannungsfeld von Recht und Religion im Alten Orient
2. Tagung des jungen Netzwerks Rechtsgeschichte
20.–22. Juni 2024, Wien.

Die praepositio, geradezu ein iussus?
18. Jahrestreffen des Collegiums der Jungen Romanisten
30.–31. Mai 2024, Padua.

Zur Lösung raumbezogener Konflikte im Kontext der Herdenhaltung am mittleren und unteren Euphrat in altbabylonischer Zeit
Humboldt-Kolleg „Mensch, Natur, Technologie“
15.–17. September 2022, Budapest.

On cubs, hands and similar legal terms in Mesopotamia
Workshop "Beyond modern Science I: Basic Terms of Ancient Scholarly Knowledge and Practices"
9.–11. Januar 2020, Mainz.

Das ‚Nationale' am nationalen Kulturgut – Überlegungen zu einem zeitgemäßen Begriffsverständnis
Doktoranden- und Habilitandenseminar „Kunst und Recht“
7. September 2019, Bonn.

Der Rat des Šuruppak – „Wissenschaft“ und „Weisheit“ in der altmesopotamischen Schreiberausbildung
Workshop „Zum Wissenschaftsbegriff in antiken Kulturen“
4.–7. September 2017, Oberursel.

Wiederholte Teilnahme am Internationalen Sommerseminar für Antike Rechtsgeschichte und Römisches Recht.

Interview zum sog. Ägyptisch-Hethitischen Friedensvertrag im Rahmen eines PodCasts anlässlich der Online-Ausstellung Pi-Ramesse des Projekts "Barrierearme Wissenschaftskommunikation in der Archäologie" der Humboldt-Universität Berlin. Direkt zum PodCast gelangen Sie hier.

Wintersemester 2025/26

Selbständige Lehrveranstaltungen

Topics in Cuneiform Legal History

This graduate-level seminar, offered in the Spring Semester 2026 at Johns Hopkins University (Department of Near Eastern Studies) and jointly taught with Prof. Jacob Lauinger, is devoted to selected topics in Old Babylonian legal history. The course combines advanced Akkadian language training with the close reading of cuneiform legal texts and methodological reflection on the concept of “contract" in the Ancient Near East.
Through the study of primary sources and selected secondary literature, students engage with central terminological and conceptual questions, as well as with the historical and doctrinal interpretation of legal material. The seminar is practice- and research-oriented and requires continuous preparation and active participation.

The seminar meets weekly on Fridays, 3:00–5:00 pm, in 130G Gilman Hall. Office hours are by appointment.

Kulturgüterschutzrecht: Grundlagen und Anwendungen

Dieses gemeinsam mit Prof. Dr. Dirk Wicke vom Institut für archäologische Wissenschaften (Fachbereich Sprach- und Kulturwissenschaften) im Wintersemester 2025/26 veranstaltete Seminar  bietet Studierenden der Rechtswissenschaft und der archäologischen Disziplinen einen Einführung in und einen Überblick über die vielschichtige Materie des Kulturgüterschutzrechts. Anhand zentraler und kontroverser Einzelfragen sowie ausgewählter Fallbeispiele werden die sich vom Völker- und Unionsrecht, über das Bundesrecht und das Landesrecht erstreckenden Regelungsstrukturen beleuchtet. Daneben widmet sich das Seminar aber auch den historischen und theoretischen Grundlagen des Kulturgüterschutzrechts.

Das Seminar findet wöchentlich statt: jeweils am Dienstag, 16:00-18:00 Uhr (c.t.) im Raum SH 5.108. Letzte Seminarplätze können noch vergeben werden.

Vergangene Semester

Begleitende Lehrveranstaltungen

Propädeutikum Rechts- und Verfassungsgeschichte II

Das Propädeutikum Rechts- und Verfassungsgeschichte II begleitet die gleichnamige Vorlesung und dient der gezielten Vorbereitung auf die zugehörige Zwischenprüfungsklausur. Gegenstand des Propädeutikums sind ausgewählte Aufgaben aus Klausuren vergangener Semester, die von den Studierenden in unterschiedlichen Formen bearbeitet werden. Auf dieser Grundlagen wird das klausurmäßige Bearbeiten rechtshistorische Aufgabenstellungen reflektiert und geübt. Steffen Jauß hat diese Veranstaltung angeboten im:

Tutorien

Die seit dem Wintersemester 2014/15 regelmäßig angebotenen, vorlesungsbegleitenden Tutorien (Arbeitsgemeinschaften) sind dem jeweiligen Vorlesungsverzeichnis entnehmbar.

UniRep-Klausurenkurs

Einzelne der regelmäßig im Rahmen des universitären Examensklausurenkurses angebotenen Übungsklausuren wurden veröffentlicht und sind dem Publikationsverzeichnis zu entnehmen.

Steffen Jauß ist wissenschaftlicher Mitarbeiter und Habilitand am Institut für Rechtsgeschichte der Goethe-Universität in Frankfurt am Main. Nach seiner Promotion im geltenden Zivilrecht sowie in der europäischen Privatrechtsgeschichte beschäftigt sich sein Habilitationsprojekt mit Aspekten eines allgemeinen Vertragsrechts der altbabylonischen Zeit. Seine akademische Laufbahn ist durch einen interdisziplinären Ansatz geprägt, der juristische mit altertumswissenschaftlicher Expertise verbindet. Für seine Leistungen wurde Jauß mehrfach ausgezeichnet. Seine Forschung umfasst auch die Bereiche des Kulturgutschutzes sowie der Fachdidaktik der Rechtswissenschaft.

Werdegang

  • seit 2017 wissenschaftlicher Mitarbeiter bei Prof. Dr. Guido Pfeifer, Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt am Main
  • 2024 Promotion zum Doktor der Rechtswissenschaft, Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt am Main (Betreuer: Prof. Dr. Guido Pfeifer; Zweitgutachterin: Prof. Dr. Katja Langenbucher)
  • 2017–2021 Studium der Archäologie und Kulturgeschichte des Vorderen Orients mit Abschluss: Master of Arts, Johann Wolfgang Goether-Universität Frankfurt am Main
  • 2017–2019 Juristischer Vorbereitungsdienst beim Pfälzischen OLG Zweibrücken, Zweite juristische Staatsprüfung
  • 2012–2017 Studium der Rechtswissenschaft mit Abschluss: Erste Juristische Prüfung, Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt am Main
  • 2010–2012 Studium der Assyriologie, Vorderasiatischen Archäologie sowie Ur-/Frühgeschichte mit Abschluss: Bachelor of Arts, Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg
  • 2007–2011 Studium des Lehramtes an Sonderschulen mit Abschluss: Erste Staatsprüfung für das Lehramt an Sonderschulen, Pädagogische Hochschule Heidelberg

Internationale Erfahrung

Preise, Stipendien, Auszeichnungen

  • Ehrung des Landes Hessen für die besten Absolventen der juristischen Prüfungen des Jahres 2017

Gremienarbeit, Mitgliedschaften, sonstiges

  • seit 2025 Mittelbauvertreter im Fachbereichsrat des Fachbereichs Rechtswissenschaft, Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt am Main
  • seit 2017 Mittelbauvertreter im Prüfungsausschuss des Fachbereichs Rechtswissenschaft, Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt am Main (seit 2025 stellvertretendes Mitglied)
Tontafel

Steffen Jauß beschäftigt sich mit der antiken Rechtsgeschichte, wobei neben dem Römischen Recht ein Schwerpunkt insbesondere den Rechtskulturen Mesopotamiens und des bronzezeitlichen Anatolien gilt. Weiterhin umfasst seine Forschung die Europäische Privatrechtsgeschichte, das geltende Zivilrecht, das Kulturgüterschutzrecht und die Fachdidaktik der Rechtswissenschaft.

Habilitationsprojekt

Beiträge zum altbabylonischen Vertragsrecht

Das Habilitationsprojekt untersucht allgemeine Aspekte des altbabylonischen Vertragsrechts. Trotz der reichhaltigen Überlieferung in Form von Keilschrifturkunden fehlt bislang eine grundlegende Analyse ihrer juristisch-geistesgeschichtlichen Grundlagen. Das wird nicht zuletzt auf das Fehlen jeder Dokumentation einer theoretischen Reflexion solcher Fragen zurückgeführt.

Das Projekt untersucht speziell der alltäglichen Praxis entstammende Meta-Texte (Briefe, Prozessurkunden u.ä.) auf Aussagen über Verträge. Ziel ist nicht nur eine detailliertere Beschreibung der Vertragsterminologie sondern auch eine Erfassung emischer Verständnisse des Vertragsschlusses sowie der Vertragstypologie. Auf diese Weise sollen vor allem aus der bisherigen Erläuterung von Urkunden anhand Phänomenen anderer Rechtsordnungen folgende Anachronismen vermieden werden.

Promotionsprojekt (abgeschlossen)

Handeln in fremdem Namen

Das Promotionsprojekt untersucht das Handeln in fremdem Namen als Tatbestandsmerkmal der Stellvertretung. Trotz dieser zentralen Bedeutung wurde es in der Fachliteratur kaum eingehend behandelt. Im Sinne europäischer Privatrechtsgeschichte wird zunächst nachvollzogen, wie es in den Diskursen des 19. Jahrhunderts seine heutige Bedeutung annahm, in den Wortlaut des BGB übernommen und seitdem vorwiegend verunklart wurde. In zivilrechtsdogmatischer Hinsicht werden die seitdem etablierten Verständnisses jenes Handelns in fremdem Namen sowie die darauf gestützten dogmatischen Figuren kritisch bewertet.

Das Projekt zeigt, dass sich das Handeln in fremdem Namen funktional als eine der Zurechnungsentscheidung vorgelagerte, rechtsgeschäftliche Drittzuordnung verstehen lässt. Diese dient dem Interessenausgleich aller bei der Stellvertretung beteiligten Rechtssubjekte. Diese Einsicht eröffnet auch neue Perspektiven auf eine Reihe alter Streitfragen des Stellvertretungsrechts.

Monographien

Handeln in fremdem Namen. Ein Beitrag zur Dogmatik des Stellvertretungsrechts (Studien zum Privatrecht 134), Tübingen 2025.
DOI: 10.1628/978-3-16-164285-2

Rechtsfragen der Herdenhaltung am mittleren und unteren Euphrat in altbabylonischer Zeit (Münchener Beiträge zur Papyrusforschung und antiken Rechtsgeschichte 122), München 2023.
DOI: 10.17104/9783406809729

Besprechungen

Aufsätze in Fachzeitschriften und Sammelwerken

Die praepositio, quasi ein iussum?, Zeitschrift der Savigny-Stiftung für Rechtsgeschichte: Romanistische Abteilung 143 (2026), 1–114 [im Druck].

Artikel zum deutschen Recht im Dictionnaire comparé du droit du patrimoine culturel, 2. Aufl., Paris 2025:

  • bien culturel (Kulturgut), 315–322.
  • trésor national (nationales Kulturgut), 1504–1511
  • revendication (action en) (Herausgabeanspruch), 1426–1431.
  • prescription (acquisitive – extinctive) (Ersitzung/Verjährung), 1239–1242.
  • libéralités (Don, Donation, Legs) (unentgeltliche Zuwendung), 902–906.

Kontingenzbewältigung im Spannungsfeld von Recht und Religion im Alten Orient, in: M. Gassner/K. Staudigl-Ciechowicz/A. Novitskaya (Hg.), Rechtssicherheit im Wandel der Zeit (Junges Netzwerk Rechtsgeschichte 2), Baden-Baden 2025, 13–22.
DOI: 10.5771/9783748948643-13

Pathologische Strategien bei der klausurmäßigen Fallbearbeitung. Eine Fallstudie, Kritische Vierteljahresschrift für Gesetzgebung und Rechtswissenschaft 104 (2022), 187–210.
DOI: 10.5771/2193-7869-2022-2-187

‚Kulturgut' und ‚nationales Kulturgut'. Gedanken zu einem zeitgemäßen Begriffsverständnis, Kritische Vierteljahresschrift für Gesetzgebung und Rechtswissenschaft 102 (2019), 343–361.
DOI: 10.5771/2193-7869-2019-4-343

Zur Konzeption des Vertrages zwischen Pharao Ramses II. und Großkönig Ḫattušili III. (1259 v. Chr.), Zeitschrift der Savigny-Stiftung für Rechtsgeschichte: Romanistische Abteilung 135 (2018), 21–75.
DOI: 10.26498/zrgra-2018-1350105

Shall assessment drive learning? Vom Sinn und Unsinn eines ‚constructive aligment' des universitären Rechtsunterrichts, Zeitschrift für Didaktik der Rechtswissenschaft 5 (2018), 189–207.
DOI: 10.5771/2196-7261-2018-3-189

Kulturgutschutz unter Wirtschaftlichkeitsvorbehalt, Kritische Vierteljahresschrift für Gesetzgebung und Rechtswissenschaft 101 (2018), 150–170.
DOI: 10.5771/2193-7869-2018-2-150

Archäologische Zufallsfunde, Schatzregalien und das neue KGSG, Kunst und Recht 20 (2018), 56–60.
DOI: 10.15542/KUR/2018/2/4

Zur Frage des Erwerbs abhandengekommener, rechtswidrig ausgegrabener oder unrechtmäßig eingeführter Kulturgüter, Neue Juristische Online-Zeitschrift 18/16 (2018), 561–564.

Quo vadas Juristen(aus)bildung? Zu den theoretischen Grundlagen zeitgemäßen Rechtsunterrichts, Kritische Vierteljahresschrift für Gesetzgebung und Rechtswissenschaft 100 (2017), 101–120.
DOI: 10.5771/2193-7869-2017-2-101

Lucidum Intervallum. Untersuchungen zu einer überholten Rechtsfigur, Kritische Vierteljahresschrift für Gesetzgebung und Rechtswissenschaft 99 (2016), 334–349.
DOI: 10.5771/2193-7869-2016-4-334

Kasuistik – Systematik – Reflexion über Recht. Eine diachrone Betrachtung der Rechtstechnik in den Hethitischen Rechtssätzen, Zeitschrift für Altorientalische und Biblische Rechtsgeschichte 21 (2015), 185–206.
DOI: 10.13173/ZAR.21.1.185

Zur Sicherung von Mitgiften nach neubabylonischen Rechtsurkunden, in: G. Thür/S. Avramovic/A. Katancevic (Hg.), Marriage and family property, Belgrad 2015, 9–19.
Abrufbar über academia.edu

Entscheidungsbesprechungen/-anmerkungen

Beweisfragen rund um Eigentum und Ersitzung. BGH, Urteil vom 19.07.2019, V ZR 255/17, Juristische Ausbildung 42 (2020), 365–377.
DOI: 10.1515/jura-2019-2349

gemeinsam mit D. M. Siegel: Anmerkung zu BGH, Beschluss vom 20.2.2019, XII ZB 364/18 (Sozialhilferegress beim elternunterhaltspflichtigen Schenker), Mitteilungen des Bayerischen Notarvereins, der Notarkasse und der Landesnotarkammer Bayern 2020, 162–165.
Gesamtes Heft abrufbar über notare.bayern.de

Verjährung bei elektiver und alternativer Anspruchskonkurrenz. Anmerkungen zum Urteil des BGH vom 27.09.2017, VIII ZR 99/16, Juristische Ausbildung 40 (2018), 598–605.
DOI: 10.1515/jura-2018-0125

Rezensionen

Jocachim Oelsner, Der Kodex Ḫammu-rāpi, Textkritische Ausgabe und Übersetzung, Münster 2022, Zeitschrift für altorientalische und biblische Rechtsgeschichte 29 (2023), 243–249.
DOI: 10.13173/ZAR.29.1.243

Betina Faist, Assyrische Rechtsprechung im 1. Jahrtausend v. Chr., Münster 2020, Zeitschrift der Savigny-Stiftung für Rechtsgeschichte 139 (2022), 508–515.
DOI: 10.1515/zrgr-2022-0022

Pamela Barmash, The Laws of Hammurabi at the confluence of royal & scribal traditions, New York 2020, Rechtsgeschichte – Legal History 30 (2022), 216–218.
DOI: 10.12946/rg30/216-218

Kerstin von der Decken/Frank Fechner/Matthias Weller (Hg.), NomosKommentar Kulturgutschutzgesetz, Baden-Baden 2020, Zeitschrift für geistiges Eigentum 13 (2021), 241–247.
DOI: 10.1628/zge-2021-0016

Ausbildungsliteratur

Kleines Missgeschick – langer Streit, Zeitschrift für das juristische Studium 15 (2022), 380–386. [= Übungsklausur für Fortgeschrittene]
Abrufbar über zjs-online.com

Der gestohlene ‚Schiele', Zeitschrift für das juristische Studium 14 (2021), 311–318. [= Übungsklausur für Examenskandidaten]
Abrufbar über zjs-online.com

Mängel des Zuordnungswillens beim (vermeintlichen) Stellvertreter, Juristische Ausbildung 42 (2020), 199–210.
DOI: 10.1515/jura-2019-2247

»Von Schatzfunden und Regalien«, Juristische Ausbildung 41 (2019), 628–641. [= Übungsklausur für Examenskandidaten]
DOI: 10.1515/jura-2019-2100

New Perspectives on Old Babylonian Contract Law, Gastvortrag am Department of Near Eastern Studies der Johns Hopkins University, 25. Februar 2026, Baltimore (MD).

Kritische Anmerkungen zu Lenels Rekonstruktion der actio institoria, Romanissimum, 21. November 2025, Wien.

Legal Language in the Ancient Near East and the Limits of Modern Terminology
8th Seminar of the International Network of Doctoral Studies in Law
16.–16. Oktober 2025, Paris.

„Real-“ und „Konsensualverträge“ im altbabylonischen Recht – Zum Einfluss der Romanistik auf die Altorientalistik
19. Jahrestreffen des Collegiums der Jungen Romanisten
28.–31. Mai 2025, Bologna.

From great severity to great leniency – The alleged „modernity“ of Hittite Law,
3. Alexander von Humboldt-Conference on Human Dignity and Human Rights in Ancient Near East, Israel and Hellas
4.–6. Mai  2025, Thessaloniki (fand als Online-Konferenz statt).

Kontingenzbewältigung im Spannungsfeld von Recht und Religion im Alten Orient
2. Tagung des jungen Netzwerks Rechtsgeschichte
20.–22. Juni 2024, Wien.

Die praepositio, geradezu ein iussus?
18. Jahrestreffen des Collegiums der Jungen Romanisten
30.–31. Mai 2024, Padua.

Zur Lösung raumbezogener Konflikte im Kontext der Herdenhaltung am mittleren und unteren Euphrat in altbabylonischer Zeit
Humboldt-Kolleg „Mensch, Natur, Technologie“
15.–17. September 2022, Budapest.

On cubs, hands and similar legal terms in Mesopotamia
Workshop "Beyond modern Science I: Basic Terms of Ancient Scholarly Knowledge and Practices"
9.–11. Januar 2020, Mainz.

Das ‚Nationale' am nationalen Kulturgut – Überlegungen zu einem zeitgemäßen Begriffsverständnis
Doktoranden- und Habilitandenseminar „Kunst und Recht“
7. September 2019, Bonn.

Der Rat des Šuruppak – „Wissenschaft“ und „Weisheit“ in der altmesopotamischen Schreiberausbildung
Workshop „Zum Wissenschaftsbegriff in antiken Kulturen“
4.–7. September 2017, Oberursel.

Wiederholte Teilnahme am Internationalen Sommerseminar für Antike Rechtsgeschichte und Römisches Recht.

Interview zum sog. Ägyptisch-Hethitischen Friedensvertrag im Rahmen eines PodCasts anlässlich der Online-Ausstellung Pi-Ramesse des Projekts "Barrierearme Wissenschaftskommunikation in der Archäologie" der Humboldt-Universität Berlin. Direkt zum PodCast gelangen Sie hier.

Wintersemester 2025/26

Selbständige Lehrveranstaltungen

Topics in Cuneiform Legal History

This graduate-level seminar, offered in the Spring Semester 2026 at Johns Hopkins University (Department of Near Eastern Studies) and jointly taught with Prof. Jacob Lauinger, is devoted to selected topics in Old Babylonian legal history. The course combines advanced Akkadian language training with the close reading of cuneiform legal texts and methodological reflection on the concept of “contract" in the Ancient Near East.
Through the study of primary sources and selected secondary literature, students engage with central terminological and conceptual questions, as well as with the historical and doctrinal interpretation of legal material. The seminar is practice- and research-oriented and requires continuous preparation and active participation.

The seminar meets weekly on Fridays, 3:00–5:00 pm, in 130G Gilman Hall. Office hours are by appointment.

Kulturgüterschutzrecht: Grundlagen und Anwendungen

Dieses gemeinsam mit Prof. Dr. Dirk Wicke vom Institut für archäologische Wissenschaften (Fachbereich Sprach- und Kulturwissenschaften) im Wintersemester 2025/26 veranstaltete Seminar  bietet Studierenden der Rechtswissenschaft und der archäologischen Disziplinen einen Einführung in und einen Überblick über die vielschichtige Materie des Kulturgüterschutzrechts. Anhand zentraler und kontroverser Einzelfragen sowie ausgewählter Fallbeispiele werden die sich vom Völker- und Unionsrecht, über das Bundesrecht und das Landesrecht erstreckenden Regelungsstrukturen beleuchtet. Daneben widmet sich das Seminar aber auch den historischen und theoretischen Grundlagen des Kulturgüterschutzrechts.

Das Seminar findet wöchentlich statt: jeweils am Dienstag, 16:00-18:00 Uhr (c.t.) im Raum SH 5.108. Letzte Seminarplätze können noch vergeben werden.

Vergangene Semester

Begleitende Lehrveranstaltungen

Propädeutikum Rechts- und Verfassungsgeschichte II

Das Propädeutikum Rechts- und Verfassungsgeschichte II begleitet die gleichnamige Vorlesung und dient der gezielten Vorbereitung auf die zugehörige Zwischenprüfungsklausur. Gegenstand des Propädeutikums sind ausgewählte Aufgaben aus Klausuren vergangener Semester, die von den Studierenden in unterschiedlichen Formen bearbeitet werden. Auf dieser Grundlagen wird das klausurmäßige Bearbeiten rechtshistorische Aufgabenstellungen reflektiert und geübt. Steffen Jauß hat diese Veranstaltung angeboten im:

Tutorien

Die seit dem Wintersemester 2014/15 regelmäßig angebotenen, vorlesungsbegleitenden Tutorien (Arbeitsgemeinschaften) sind dem jeweiligen Vorlesungsverzeichnis entnehmbar.

UniRep-Klausurenkurs

Einzelne der regelmäßig im Rahmen des universitären Examensklausurenkurses angebotenen Übungsklausuren wurden veröffentlicht und sind dem Publikationsverzeichnis zu entnehmen.