Rechtskonflikte Zeiss

Unternehmen unter den Bedingungen des Kalten Krieges. Die Konflikte zwischen Zeiss-West und Zeiss-Ost auf den internationalen Märkten (1945-1989)

gefördert von der Stiftung Bildung und Wissenschaft im Stifterverband für die deutsche Wissenschaft, Essen

Der 2020 für drei Jahre bewilligte Projektverbund mit der Wirtschaftsgeschichte der Johannes Gutenberg-Universität Mainz (Jun.-Prof. Dr. Eva-Maria Roelevink) will einen Beitrag zur Erforschung von Unternehmen und Unternehmensstrukturen leisten, die sich während des Kalten Krieges nicht nur wirtschaftlich behaupten, sondern sich infolge der Spaltung vorheriger Konzernzusammenhänge auch einer andauernden politischen Unsicherheit stellen mussten. Hierzu wurden gezielt zwei Beispiele ausgewählt, die sich zwischen 1945 und 1989 in einem Zustand der Koexistenz weiterentwickelten und sich durch eine starke Exportorientierung auszeichneten. Im Vordergrund beider Projektvorhaben steht die Frage nach der Strategie, mit der „geteilte“ oder „gespaltene“ Unternehmen auf die sich dynamisch wandelnden Prozesse politischer Unsicherheit zwischen den Blöcken re- und interagiert haben. Ziel ist es, den vielfach betonten, bisher aber lediglich auf einer politischen Untersuchungsebene analysierten „Wettbewerb der Systeme“ auf die Untersuchungsebene der Unternehmen und ihrer Beziehungen zu erweitern und vergleichend zu analysieren.

Das Teilprojekt in Frankfurt widmet sich dazu der Firma Carl Zeiss, die seit 1889 als Stiftungsunternehmen in Jena Weltgeltung in der optischen Technologie erlangte und nach 1945 jeweils in Ost und West unter unterschiedlichen politischen und rechtlichen Rahmenbedingungen weitergeführt wurde. Zeiss gegen Zeiss stand zwischen 1945 und 1989 auf über 100 Aktendeckeln nationaler und internationaler Gerichtsverfahren – eine Situation, die einerseits paradox erscheint, andererseits aber den politischen Bedingungen des Ost-West-Konflikts geschuldet war. Den Verantwortlichen in Ost und West war klar: Der geschäftliche Erfolg und der wirtschaftliche Wiederaufbau ließ sich nur mit dem Namen „Carl Zeiss“ realisieren. In dieser Marke manifestierten sich der Ruf und damit auch der wirtschaftliche Erfolg auf den Weltmärkten. Da die Namensrechte aber untrennbar mit der Carl-Zeiss-Stiftung verbunden waren, ging es in diesen Konflikten immer auch um die Frage der rechtmäßigen Stiftungskontinuität, die Ost und West jeweils für sich beanspruchten. Die Marke „Zeiss“ wurde dadurch zum Mittel und Medium eines politischen Wettstreits der Systeme, der mit Hilfe des Rechts ausgetragen wurde. Das Projekt analysiert die verbands- und immaterialgüterrechtlichen Konfliktfelder und fragt auf dieser Grundlage nach den Strategien, mit denen Zeiss-Ost und Zeiss-West ihre Konflikte unter den Bedingungen politischer Unsicherheit bewältigten.

Bearbeiter: Tim Walter Wenzel

Kontakt

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Fachbereich Rechtswissenschaft
Institut für Rechtsgeschichte
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60629 Frankfurt am Main

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