Forschungsstelle für Recht und Praxis der Strafverteidigung

Anlass zur Gründung der RuPS gab letztlich die Feststellung, dass trotz der Intensivierung der Debatte über den „neuen Strafverteidigertyp“ in den 1990er Jahren über die Stellung des Verteidigers im System der Strafrechtspflege immer noch keine Einigkeit besteht. Vielmehr schärfen die zahlreichen legislatorischen Eingriffe, die der Abschnitt „Verteidigung“ in den 1970er Jahren erfahren hat, und die Veränderungen, die aufgrund eines gewandelten Berufsbildes in der praktischen Arbeit der Verteidiger zu beobachten sind, zunehmend den Blick dafür, dass die Funktion der Verteidigung, obwohl (oder gerade weil) mit der politischen Durchsetzung der freien Advokatur ihr gesellschaftliches Ansehen seinerzeit sprunghaft gestiegen ist, nicht nur für den Gesetzgeber unklar geblieben ist.

Darüber hinaus ist die Position der Verteidigung zwischen Justiz und Beschuldigtem in dem Maße rechtlich ungesichert, wie die Berufung auf den erreichten - primär berufsständisch begriffenen – Status die Frage nach der exakten Rechtsgrundlage abgeschnitten hat. Diese Unsicherheit belastet nicht nur – aber gerade auch – die skizzierten großen dogmatischen Kontroversen um das Recht der Strafverteidigung und damit die Lösung zentraler Streitfragen, die im Alltagsgeschäft der Gerichte nicht selten freischwebend zwischen der gesetzlichen Regelung der Strafprozessordnung und von Rollenbildern geprägtem Vorverständnis gelöst zu werden pflegen. Die nicht endende Diskussion über die „Stellung des Strafverteidigers“ leidet hierunter ganz erheblich; sie kann nicht leisten, was sie will und soll: eine verlässliche Grundlage schaffen für die Begründung vieler, nicht ohne weiteres aus den Einzelregelungen ableitbarer Entscheidungen.

Fotoquelle: Justizia © Liz Collet


Leistungsangebot

Die Forschungsstelle – konzipiert als national und international agierende Forschungs-, Fortbildungs- und Informationseinrichtung mit intensivem Praxiskontakt – bietet hierzu ein breit gefächertes Leistungsangebot, das alle Arten drittmittelbasierter Forschungstätigkeit auf dem Gebiet des Straf- und Strafprozessrechts umfasst.

Insbesondere gehören hierzu

  • alle Formen empirischer Forschungsprojekte in jeder Größenordnung, etwa in Gestalt von Inhaltsanalysen von Aktenmaterial (z.B. Aktenanalyse und -auswertung), Einzelfall- und Querschnittsstudien, (teilnehmende) Beobachtung und deren Analyse, Supervision u.a.,

  • die Erstellung fachjuristischer Gutachten und Fachtexte zu allen Fragen des Rechts der Strafverteidigung und damit in Zusammenhang stehender Probleme des Straf- und Strafprozessrechts,

  • Wissenschaftliche Begleitung von Gesetzgebungsvorhaben in Bund und Ländern und Beratung von EU-Gremien und NGOs zu allen strafprozessualen Fragestellungen,

  • die Konzeption und Abwicklung der Publikation von Forschungsergebnissen in jeder beliebigen Form (Print, WWW),

  • Organisation von Fachtagungen und Vorträgen

  • sowie Fortbildungsangebote für Rechtsanwälte, Fachanwälte und juristisches Personal.

Treten Sie wegen der Details mit uns in Kontakt!

Sie erreichen uns unter rups@jura.uni-frankfurt.de oder unter den rechts oben angegebenen Kontaktdaten.


Unterlagen und Downloads

1. 30. Herbstkolloquium am 8.11.2013

Die Praxis der Verteidigerbestellung durch den Richter – von der Rechtswirklichkeit der Beiordnung nach § 140 Abs. 1 Nr. 4 StPO

Homepage der AG Strafrecht

2. Veröffentlichung: Zur Rechtswirklichkeit der Pflichtverteidigerbestellung

Eine Untersuchung zur Praxis der Beiordnung durch den Strafrichter nach § 140 Abs. 1 Nr. 4 der Strafprozessordnung in der Bundesrepublik Deutschland, Berlin (de Gruyter), 2014.

Flyer hier downloaden

3. AG 4 des 41. Strafverteidigertages am 25.3.2017

Die Praxis der Pflichtverteidigerbestellung – Ein Graubereich auf dem Prüfstand des Art. 12 GG

Hier downloaden

Homepage des 41. Strafverteidigertages