Das Projekt in Zusammenarbeit mit Prof. Dr. Mareike Schmidt (Max-Plank-Institut für ethnologische Forschung, Halle (Saale)) und Prof. Dr. Angela Schwerdtfeger (Georg-August-Universität Göttingen) untersucht, wie Wirklichkeitsbeschreibungen anderer Disziplinen im Recht methodisch verarbeitet werden. Als kontrastierende Analysefolien für die Untersuchung dienen mit der digitalen Transformation und dem Klimawandel zwei grundlegende und komplexe Veränderungen der Wirklichkeit. Eine vergleichende Analyse des rechtlichen Umgangs mit diesen Wandlungsprozessen soll auf der einen Seite übergreifende, über eine bereichsspezifische Sonderdogmatik hinausgehende methodische Ansätze zum Einbezug von komplexen und divergierenden Wissensbeständen anderer Disziplinen aufzeigen.
Zum anderen soll der Vergleich für Spezifika sensibilisieren, vor allem für die mediale Transformation der Rechtsanwendung selbst durch Legal-Tech sowie für Rechtsetzungsprozesse angesichts ungewisser (Kausal-)Zusammenhänge bei Maßnahmen zur Treibhausgasreduktion. Zudem bewirkt die digitale Transformation in erster Linie einen Wandel im Recht durch Veränderungen der Gegenstandsbereiche und der medialen Rahmenbedingungen, während der Klimawandel nach einem gesellschaftlichen Wandel durch Recht verlangt. Anhand einer teilrechtsgebietsübergreifenden Analyse des methodischen Umgangs mit diesen Herausforderungen sollen Impulse für die dogmatikbezogene Methodik und ihren rationalen Umgang mit strukturellem Gesellschaftswandel entwickelt werden.
Aufbauend auf einer Beschreibung des Wandels der Wirklichkeit werden dazu mit der Rechtsdogmatik, der Methodik der Rechtsanwendung und der Gesetzgebungslehre drei methodische Dimensionen analysiert. Diese werden durch Lehrkonzepte ergänzt, die den resultierenden Veränderungsbedarf im Jurastudium adressieren.
Näheres zur Förderlinie der Volkswagenstiftung finden Sie hier.
In dem Projekt sind Fellowships für das Jahr 2026 ausgeschrieben: Call for Applications.
Projektlaufzeit (2023-2027)
Die Digitalisierung des Finanzsystems bringt einen grundlegenden Wandel im
Zahlungsverkehr mit sich, der sich vor allem in der Entmaterialisierung von
Geld niederschlägt. Digitale Zentralbankwährungen wie der digitale Euro (die
neben das physische Bargeld treten würden) fügen sich in diesen Trend ein.
Konzeptionell wäre der digitale Euro von einer Doppelfunktionalität
gekennzeichnet: Er soll einerseits als öffentliche Zahlungsinfrastruktur und
andererseits als weiteres Zahlungsmittel innerhalb des bestehenden,
oligopolistisch strukturierten Marktes für digitale Zahlungsdienste fungieren.
Das Projekt befindet sich derzeit in einer von der EZB geleiteten
Vorbereitungsphase, die bis Oktober 2025 andauert. Parallel dazu laufen die
gesetzgeberischen Verhandlungen auf EU-Ebene. Zwar sind weder die Einführung
noch die konkrete Ausgestaltung abschließend beschlossen, doch gilt die
Einführung eines digitalen Euro als wahrscheinlich.
Zur wissenschaftlichen Begleitung dieser
Entwicklung hat sich im Rahmen des Zentrum verantwortungsbewusste
Digitalisierung (ZEVEDI) – einem Forschungs- und Kompetenznetz hessischer
Hochschulen – eine interdisziplinäre Projektgruppe zusammengeschlossen. Sie
zielt darauf potenzielle Implikationen einer digitalen Zentralbankwährung unter
normativen Gesichtspunkten zu beleuchten. Da die EZB und die europäischen
Co-Gesetzgeber die Ausgestaltung des digitalen Euro in der Hand haben, eröffnet
sich die bedeutende Chance, den bislang von privaten Akteuren dominierten
Digitalisierungspfad im Zahlungsverkehr aktiv im Sinne politischer und
gesellschaftlicher Zielsetzungen mitzugestalten und den Trend zur
Digitalisierung im Zahlungsverkehr so bewusst zu prägen. Im Mittelpunkt der
Analyse stehen deshalb Fragen des Zugangs zur finanziellen Infrastruktur, der
Machtverteilung im digitalen Zahlungsverkehr sowie potenzielle Risiken für die
monetäre Souveränität Europas.
Professor Dr. Roland Broemel bringt sich als
Principal Investigator in die Projektarbeit ein. Gemeinsam mit seinem Team
untersucht er insbesondere Fragen der Datensouveränität – mit Blick auf
Marktgestaltung und Datenschutz – sowie Fragen der demokratischen Legitimation
im Regelsetzungsprozess. Denn dieser ist durch die starke Einbeziehung Privater
gekennzeichnet.
Das Projekt ist bereits auf breite Aufmerksamkeit
gestoßen. Kooperationen bestehen unter anderem mit der Deutschen Bundesbank,
Giesecke+Devrient sowie der Digital Euro Association. Darüber hinaus wird das
ZEVEDI-Netzwerk vom Hessischen Ministerium für Digitalisierung gefördert.
Weitere Informationen finden Sie hier: https://zevedi.de/themen/dino/
The Normative Dimensions of the Digital Euro (DINO)
The
discussion of a digital euro is part of an ongoing trend towards digitalisation
within the financial system. Albeit decisions on the implementation let alone
the details of the design are not yet final, it is expected that a digital euro
will eventually be introduced, providing a public payment infrastructure while
simultaneously serving as a means of payment within the existing, oligopolistic
market for digital payment services.
To accompany this development an interdisciplinary project group at the Centre
Responsible Digitality (ZEVEDI) has formed. The group is dedicated to fill a
critical gap in the ongoing discussion and focuses on normative dimensions in
crucial areas like access to financial infrastructure, the balance of power in
digital payment transactions and the potential risks to Europe's monetary
sovereignty.
Professor
Dr Roland Broemel contributes to the project as Principal Investigator,
conducting research with his team on issues of data sovereignty and the
democratic legitimacy of regulatory design.
So
far, the project was perceived with wide interest. Partnerships with Deutsche
Bundesbank, G+D and the Digital Euro Association have been established. The
overall ZEVEDI network is further supported by the Hessian Ministry of
Digitalisation.
More
information: https://zevedi.de/en/topics/dino/