News – August 2022

 

HANS MEYER

(1933 – 2022)

Am 21. August 2022 ist PROF. DR. DR. H.C. HANS MEYER im Alter von 89 Jahren in Frankfurt verstorben. Er war von 1974 bis 1996 Professor für Staats-, Verwaltungs- und Finanzrecht an der Goethe-Universität und blieb dem Fachbereich Rechtswissenschaft als Honorarprofessor verbunden, nachdem er 1996 als Präsident der Humboldt-Universität nach Berlin gewechselt war.

Geboren 1933 in Aachen, studierte Hans Meyer in Freiburg, München und Bonn, legte 1957 in Köln das Referendarexamen ab und wurde nach seinem Referendariat Assistent bei Ernst Friesenhahn in Bonn. Die Verbindung von Wissenschaft, Recht und Politik, die auch seinen weiteren beruflichen Weg bestimmte, fand bereits während der prägenden Bonner Assistentenzeit ihren Ausdruck: Neben der Arbeit an der 1967 vorgelegten Dissertation zur „Finanzverfassung der Gemeinden“ engagierte Hans Meyer sich als Sekretär des Deutschen Juristentages, war Sprecher der Bonner Assistenten und saß zwei Reformkommissionen der Bonner Universität vor. In der Schlussphase der Arbeit an seiner Habilitationsschrift über „Wahlsystem und Verfassungsordnung“ wurde er 1970 zum Mitglied des Wissenschaftsrates ernannt, zu dessen engerem Leitungsstab er ab 1973 als stellvertretender Vorsitzender der wissenschaftlichen Kommission gehörte.

1974 folgte er dann einem Ruf an die Goethe-Universität und gehörte für mehr als zwanzig Jahre zu den prägenden Figuren des Öffentlichen Rechts und des Fachbereichs. Als Wissenschaftler hoch geschätzt und als Ratgeber und Prozessvertreter gefragt und einflussreich, spielte er auch als Kollege und Freund im Fachbereich eine wichtige Rolle. Eilte ihm als Lehrer der Ruf großer Strenge voraus, so erfreute sich sein Dauerseminar großer Beliebtheit. Hier wurden aktuelle verfassungs- und verwaltungsrechtliche Fragen verhandelt und ein wissenschaftliches wie soziales Miteinander gepflegt, das viele seiner Seminarteilnehmer*innen bis heute verbindet. Als Dekan sah Hans Meyer sich Ende der achtziger Jahre mit einer Mittelverteilung der Universitätsleitung konfrontiert, die er später als „offensichtliche Patronagepraxis der Universitätsleitung“ zugunsten der Naturwissenschaften einordnete. Sie brachte ihn dazu, seine vor dem Hintergrund der Bonner Jahre selbst auferlegte Zurückhaltung in der Selbstverwaltung aufzugeben und mit Gleichgesinnten die hochschulpolitische Liste „Universitas“ zu gründen und diese mit Kampfgeist, Ideenreichtum und mit beachtlichen Erfolgen zu leiten.

Nachdem er bereits 1990 mit Gastvorlesungen an der Humboldt-Universität begonnen hatte, leitete Hans Meyer ab 1991 als Vorsitzender der Struktur- und Berufungskommission der Juristischen Fakultät den schwierigen Transformationsprozess und wurde 1993 dort mit der Ehrendoktorwürde bedacht. 1996 wurde Hans Meyer zum Präsidenten der Humboldt-Universität gewählt und die Fakultät berief ihn als ordentlichen Professor für Staats- und Verwaltungsrecht. Als Ausdruck der bleibenden Verbundenheit, die sich nicht zuletzt durch jahrelange Seminare mit Beteiligung aus Berlin und Frankfurt zeigte, verlieh unser Fachbereich ihm 1996 die akademische Bezeichnung „Honorarprofessor“. Für seine Verdienste um die Humboldt-Universität wurde ihm 2000 das Bundesverdienstkreuz erster Klasse verliehen.

Hans Meyer interessierte der öffentliche Raum, der für ihn notwendig ein politischer Raum war. Das prägte seine Wahl der Themen in Forschung und Lehre, seine Zusagen bei der Erstellung von Gutachten oder Prozessvertretungen ebenso wie die Übernahme seiner vielfältigen Verpflichtungen in Selbstverwaltung und (Hochschul-)Politik. Das Wahlrecht der Bundesrepublik Deutschland hat Hans Meyer seit seiner Habilitationsschrift wissenschaftlich maßgeblich begleitet und geprägt – bis hin zur Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts zur Beschränkung von Überhang- und Ausgleichsmandaten, die er als Prozessvertreter im Jahr 2012 erstritt. Dem Parlamentsrecht und dem Staatsorganisationsrecht insgesamt widmete Hans Meyer seine wissenschaftliche Aufmerksamkeit und wie wenige andere hatte er dabei stets auch die Finanzen als wesentlichen Faktor staatlicher Aufgabenwahrnehmung im Auge – nicht zuletzt im föderalen Gefüge. Das Verwaltungsrecht prägte er mit dem maßgeblichen Kommentar zum Verwaltungsverfahrensgesetz. Und auch das Baurecht sowie das Kommunalrecht gehörten zu dem wissenschaftlichen Feld, das Hans Meyer mit dogmatischer Schärfe, mit der Suche nach dem besseren Argument statt nach herrschenden Meinungen, mit historischen Grundlagen und theoretischem Fundament und nicht zuletzt mit Blick auf die Praxis von Verwaltung und Politik bearbeitet hat.

Der Fachbereich nimmt Abschied von HANS MEYER und wird ihm ein ehrendes Andenken bewahren.

Prof. Dr. Georg Hermes