Der Fachbereich trauert um Prof. Dr. Wolf Paul

Prof. Paul verstarb am 11.4.2021

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Der Fachbereich Rechtswissenschaft trauert um seinen Kollegen Prof. Dr. Wolf Paul, der am 11. April 2021 im Alter von 85 Jahren verstorben ist. Er hatte seit dem Jahre 1975 bis zu seiner Pensionierung im Jahre 2001 die Professur für Rechtstheorie, Rechtsmethodologie und Rechtsvergleichung inne. Wissenschaftlich aus dem Umkreis Werner Maihofers und Arthur Kaufmanns kommend, die beide bis 1969 an der Universität des Saarlandes lehrten, wurde er dort 1972 promoviert. Er gehörte zu der Gruppe jüngerer Nachwuchswissenschaftler*innen, die sich um eine kritische Aneignung der rechtsphilosophischen Passagen in den Marx’schen Frühschriften bemühten, um sie zu einer kohärenten marxistischen Rechtstheorie zu systematisieren. 1975 wurde er an den Fachbereich Rechtswissenschaft berufen, um vor allem das rechtsphilosophische und –methodologische Pflichtprogramms in der Eingangsphase des Studiums der Rechtswissenschaft mit aufzubauen. Für viele Semester hat er die Lehre dieser Fächer geschultert. Seine ungewöhnliche Sprachbegabung vor allem für romanische Sprachen ließ ihn rasch wissenschaftliche Kontakte nach Lateinamerika knüpfen, insbesondere nach Brasilien. Er gehörte früh zu den wenigen Komparatisten des Rechts, die nicht nur deutschen Einflüssen in der lateinamerikanischen Rechtswelt nachgingen, sondern sich auch intensiv mit der eigenständigen Rechtsentwicklung und den vielfältigen Konflikten und Problemen dieser Staaten auseinandersetzte. Ebenfalls vergleichsweise früh wandte er sich dabei auch den normativen Ordnungen der indigenen Bevölkerung zu, die lange Zeit im Schatten der europäisch dominierten Rechtstraditionen standen. Wie sehr dies in Brasilien anerkennend wahrgenommen wurde, zeigt die Verleihung der Würde eines Honorarprofessors der Bundesuniversität Pará in Belém sowie des Titels eines Prof. h.c. an der Bundesuniversität Ceará in Fortaleza. Zudem wurde er als korrespondierendes Mitglied in die Königliche Akademie der Moralischen und Politischen Wissenschaften Madrid berufen. Auch die Freundschaft mit Walter O. Weyrauch (1919-2008), ehemals Professor of Law an der University of Florida und Honorarprofessor des Fachbereichs, erwuchs aus dem gemeinsamen Interesse an autonomen, nicht-formalen Rechtsentwicklungen. Später hat Wolf Paul einen weiteren wissenschaftlichen Schwerpunkt vor allem im Lebensmittel- und Weinrecht gesetzt, wiederum unter rechtsvergleichenden Aspekten. Die große Zahl Studierender in seinen Seminaren bezeugte sein pädagogisches Geschick. Auch unter den Kollegen*innen wurde er allgemein hoch geschätzt. Vor allem in den späten siebziger und in den achtziger Jahren trug er zur Formierung jener diskutierenden Gemeinschaft von Rechtswissenschaftler*innen bei, die den besonderen wissenschaftlichen Ruf des Frankfurter Fachbereichs begründet und erhalten haben. Mit Dankbarkeit nimmt der Fachbereich Abschied von ihm und wird ihm ein ehrendes Andenken bewahren.