Unser Team

Hier möchten wir einige unserer Berater*innen und ihre Tätigkeiten innerhalb und außerhalb der GLC vorstellen.


Kai Julian Kemmler (2019)

Hallo Kai Julian! Wie bist du darauf gekommen dich bei der GLC zu engagieren?

Vor gut einem Jahr fand die Bundestagswahl statt. An den Infoständen haben sich vermehrt Bürger gemeldet, die mit der aktuellen Migrationspolitik nicht einverstanden waren und von unregulierter Massenmigration sowie offenen Grenzen für „ganz Afrika“ geredet haben. Mich hat die rechtliche Grundlage der Migration interessiert. Um dem vielen Hörensagen etwas entgegensetzen zu können, habe ich mich mit diesem Thema näher beschäftigt. Hier bietet die GLC eine super Grundlage zur Wissensaneignung, aber auch um das erlangte Wissen zu nutzen und in der Beratungssituation anwenden zu können.

Wann hast du gemerkt, dass du dich für Migrations- und Sozialrecht interessierst?

Das Migrationsrecht ist ein spannendes Feld. Es strahlen viele externe politische Faktoren und gesellschaftliche Wertungen hinein, zudem ist es sehr regelmäßigen Änderungen unterworfen. Das macht es in meinen Augen zu einem sehr interessanten Rechtsgebiet.

Was war das bisher schönste Erlebnis bei der Beratung?

Es wird von den beratenen Personen schon einiges an Vertrauen entgegengebracht. Dem gerecht zu werden ist ein tolles Gefühl. Weiterhin kann in der Beratung viel Rechtsunsicherheit zerstreut werden und konkret im Einzelfall geholfen werden. Das würde ich als das Beste an der Beratung bezeichnen.

Wie kann man deiner Meinung nach Examensvorbereitung und Beratung kombinieren?

Das habe ich mich auch schon gefragt. In einem halben Jahr geht es mit der Examensvorbereitung los. Dann kann ich hierauf sicher eine konkretere Antwort geben. Im Zweifelsfall kann man aber ja für die Zeit des schriftlichen Examens aussetzen und dann im Schwerpunkt weiter beraten.

Wann sollte man deiner Meinung nach idealerweise mit der Ausbildung beginnen?

Ich habe entgegen den eigentlichen Vorgaben im 3. Semester angefangen. Klar, Kenntnisse im allgemeinen Verwaltungsrecht sind unabdingbar, aber das was man braucht, bekommt man auch in den Fallstudien gut mit und so hat man nach dem Ende der Ausbildung wirklich die Möglichkeit, zu beraten, bevor etwa im 6. Semester die Examensvorbereitung beginnt.

Inwiefern hat dich dein Engagement fachlich weitergebracht?

Fachlich ist die Möglichkeit, noch vor dem Examen juristische Beratungserfahrung sammeln zu können, sicherlich das, wovon man persönlich viel hat. Schließlich handelt es sich dabei um eine völlig andere Situation als in der Klausur nur sein Gutachten zu formulieren. Natürlich erschließt man sich über die Ausbildung auch die Rechtsgebiete des Migrations- und Sozialrechts. Ich halte es ohnehin für unerlässlich, über den Tellerrand des regulären Studienprogramms hinaus zu schauen. Her bringt das Engagement durch Horizonterweiterung einen auf jeden Fall weiter.

Was für Praktika hast du gemacht, bevor du bei der GLC angefangen hast?

Vor und während der Ausbildung habe ich ein Praktikum im Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend sowie im Hessischen Finanzministerium gemacht.

Was ist dein Tipp, um mit eventuellen Sprachbarrieren zwischen Berater*innen und Klient*innen umzugehen?

Ich habe im letzten Jahr die Erfahrung gemacht, dass man mit Englisch eigentlich relativ weit kommt. Im Zweifelsfall hat GLC aber einen wunderbaren Pool von sprachkundigen, die einem bei schwierig zu überwindenden Sprachbarrieren super weiterhelfen können.

Was machst du noch außer der GLC?

Neben dem Engagement in der GLC bin ich noch parteipolitisch in der Union, deren Jugendorganisation sowie der Hochschulpolitik engagiert.

Vielen Dank für das Interview!


Interview mit Madeleine (2018)

Hi Madeleine! Wann hast du mit der Ausbildung bei der GLC angefangen?

Das war im WiSe 15/16, in meinem fünften Semester. Ich gehöre also zum ersten Ausbildungsjahrgang. Jetzt habe ich gerade mein Examen gemacht.

Herzlichen Glückwunsch zu deinem Examen! Wann hast du gemerkt, dass du dich für Migrations- und Sozialrecht interessierst?

Danke! Bereits vor meinem Abitur habe ich begonnen, mich für Sozialrecht zu interessieren. Damals habe ich ehrenamtlich in der Altenpflege gearbeitet und bemerkt, dass manche Menschen sich nicht (mehr) selbst zu ihrem Recht verhelfen können. Das hat meine Wissbegierde geweckt: Was passiert, wenn ein Individuum seine eigenen Ansprüche gegenüber dem Staat oder anderen Bürgern nicht mehr durchsetzen kann? Gibt es in diesem Bereich so etwas wie Gerechtigkeit durch das Recht? Diese Erfahrungen und Fragestellungen waren dann auch die wichtigsten Gründe für mich, Jura zu studieren.

Möchtest du später auch in diesem Bereich arbeiten?

Auf jeden Fall bin ich offen dafür und kann es mir gut vorstellen. Aber bis zum Ende des Referendariats kann noch einiges passieren.

Und warum hast du begonnen, dich bei der GLC zu engagieren?

Ausschlaggebend war natürlich in erster Linie mein Interesse an den Rechtsgebieten, in denen beraten werden sollte. Zudem war da der Wille, mein bisher erlerntes juristisches Wissen praktisch anzuwenden und fruchtbar machen zu können. Sonst bearbeitet man im Studium ja vor allem mehr oder weniger praxisferne Lehrbuchfälle. Außerdem glaube ich, dass man bereits während des Studiums mit dem Erlernten anderen Menschen weiterhelfen kann.

Was war für dich das schönste Erlebnis, dass du mit der GLC verbindest?

Definitiv die Teilnahme am Vernetzungstreffen der Law Clinics in Weingarten im September 2016, bei dem der Dachverband der Refugee Law Clinics Deutschland e.V. (https://rlc-deutschland.de/) gegründet wurde. Auch wenn wir keine „Refugee Law Clinic“ im engeren Sinne sind, da wir nicht im Asylverfahren beraten oder vertreten, war es ein besonderer Moment für uns. Es war beeindruckend zu sehen, wie viel Studierende mit ähnlichem Mindset bewegen können.

Was war für dich die größte Herausforderung im Rahmen der Beratertätigkeit?

Am Anfang galt es zunächst, sich zu etablieren, sowohl als Projekt als auch persönlich in der Rolle als Beraterin. Das war schon eine Herausforderung. Die GLC als ganze musste zunächst ein Netzwerk aufbauen und als Beratungsangebot Bekanntheit an der Uni und anderswo erlangen. Wir selbst mussten dafür unser eigenes Selbstverständnis als Berater*innen entwickeln. Es ist eben doch etwas anderes, wenn statt fiktiven Personen aus Klausursachverhalten plötzlich echte Menschen mit echten Emotionen uns um Rechtsberatung bitten. Da ist die Schaffung einer Vertrauensbasis extrem wichtig, auf der dann die ganze spätere Beratung beruht. Bei dem Prozess, mich in meiner neuen Rolle einzufinden, hat mir der Austausch mit anderen Berater*innen und die Beratung durch die Wissenschaftlichen Mitarbeiterinnen der GLC sehr geholfen.

Was für Praktika hast du während des Studiums gemacht?

Bevor ich bei der GLC angefangen habe, habe ich ein Praktikum bei einer Großkanzlei gemacht. Ich wollte mir bewusst ganz verschiedene Arbeitsfelder für Jurist*innen anschauen. Im Rahmen der Ausbildung zur Beraterin habe ich ein Praktikum in einem Jobcenter gemacht. Dadurch habe ich interessante Einblicke in dieses Arbeitsumfeld erhalten und konnte mich später bei der Beratung auch besser in die Ratsuchenden hineinversetzen.

Was hast du außer der GLC neben deinem Studium gemacht?

Ich habe am Lehrstuhl gearbeitet und Tutorien gegeben. Darüber hinaus habe ich noch an einem Moot Court vor dem Bundesarbeitsgericht teilgenommen. Das war eine sehr interessante Erfahrung! Dennoch bin ich der Meinung, dass Moot Courts nicht in demselben Maße wie die Arbeit in einer Law Clinic Praxisnähe vermitteln können.

Du hast ja bereits erfolgreich dein Examen bestanden. Kann man deiner Meinung nach Examensvorbereitung und Beratung verbinden?

Persönlich finde ich, dass das eher schwierig ist. Beratungsgespräche mit den Ratsuchenden und deren Rückfragen sind oft schlecht planbar, weshalb man bei Beginn des Falles auch den erforderlichen Zeitaufwand nur bedingt einschätzen kann und sehr flexibel sein muss. In der Examensvorbereitung ist das leider nicht der Fall. Gut ist aber auf jeden Fall, dass es von Seiten der GLC kein Problem ist, wegen der Examensvorbereitung für einige Zeit zu pausieren. Da sind alle sehr verständnisvoll.

Wie hast du die Gruppendynamik innerhalb der GLC generell erlebt?

Sehr positiv! Unser noch relativ junges Projekt wächst immer mehr und es entsteht eine immer größere Gemeinschaft. Gerade das Generationenmodell bereichert diese Gemeinschaft sehr. Ich würde mir wünschen, auch in der Zukunft mit der GLC verbunden bleiben zu können, z.B. durch ein Netzwerk für Alumni und Alumnae.

Was ist dein Tipp für zukünftige Berater*innen?

Fangt früh mit dem Engagement bei der GLC an. Idealerweise im vierten oder fünften Semester, wenn ihr schon Grundkenntnisse im Verwaltungsrecht habt, aber euch immer noch im Grundstudium befindet. Weitet euren Blick für das, was man mit Recht machen kann. Und habt vor allem Spaß und genießt die Möglichkeit, euch an der Uni zu entfalten!

Vielen Dank, dass du dir Zeit für das Interview genommen hast, Madeleine.

 


Interview mit Hannah (2018)

Hey Hannah! Seit wann bist du denn bei der GLC dabei?

Ich habe im WiSe 16/17 mit der Ausbildung angefangen, in meinem sechsten Semester.

Wie bist du darauf gekommen, dich bei der GLC zu bewerben?

2016 habe ich an der Weingartner Herbstwoche zum Migrationsrecht teilgenommen. Das war eine tolle Erfahrung. Meine Motivation für die Bewerbung bei der GLC war, soziales Engagement mit theoretischem juristischen Wissen zu kombinieren, um so bestmöglich helfen zu können.

Wann hast du gemerkt, dass du dich für Migrations- und Sozialrecht interessierst?

Schon immer war Antidiskriminierung in jeglicher Form ein wichtiges Thema für mich. In Diskussionen rund um diesen Themenkomplex habe ich auch immer versucht, meinen Argumenten eine rechtliche Grundlage zu geben. Besonders prägend für mich war aber das Jahr 2015, als viele Geflüchtete nach Europa kamen und sich ein politischer und gesellschaftlicher Rechtsruck abzeichnete. Damals wurde mir erst recht bewusst, dass ich mich aktiv für Menschen- und Teilhaberechte einsetzen möchte.

Was ist für dich das Schönste an der Beratung?

Das Gefühl, sofort effektiv helfen zu können. Und teilweise schnelle Verbesserungen für die Lebenssituation der ratsuchenden Personen bewirken zu können. Die Tätigkeit gibt einem enorm viel zurück.

Wie viele Fälle hast du bisher bearbeitet?

Seit einem knappen Jahr berate ich, das müssen so zehn bis zwölf Fälle gewesen sein, größere und kleinere. Bei einem größeren Fall haben wir erst Widerspruch eingelegt und dann sogar Klage erhoben. Die Klageschrift zu schreiben war eine Herausforderung und das Ganze geschah unter einigem Zeitdruck. Aber wir haben auf jeden Fall viel gelernt und hoffen nun, dass unser Klient vor Gericht Recht bekommt, obwohl wir als Studentinnen ihn natürlich leider nicht vertreten können.

Du berätst ja nicht nur in der offenen Sprechstunde, die freitags auf dem Campus Westend stattfindet, sondern auch im Lisbethtreff des Caritasverbands in Sachsenhausen. Was unterscheidet diese Tätigkeit von der offenen Sprechstunde?

Während es in der offenen Sprechstunde meist um aufenthaltsrechtliche Fragen geht, gibt es im Lisbethtreff mehr sozialrechtliche Fälle. Der Lisbethtreff ist ja eine Anlaufstelle speziell für wohnungslose und von Wohnungsnot bedrohte Frauen. Außerdem geht es meist um kleinere Probleme als in der offenen Sprechstunde.

Was ist für dich die größte Herausforderung im Rahmen der Beratertätigkeit?

Einerseits möchte ich immer viel helfen, andererseits muss ich natürlich auch darauf achten, dass mein Studium nicht zu kurz kommt. Das kommt aber natürlich auf die Phase im Studium an. Jetzt gerade ist es bei mir eben etwas schwieriger, denn ich bereite mich zurzeit auf mein Examen vor. Man muss meiner Meinung nach einfach seine Balance finden und sich gut organisieren. Dafür muss man sich selbst ein bisschen disziplinieren. Wichtig ist, denke ich, Studium und Beratung zeitlich zu trennen und sich realistische zeitliche Grenzen zu setzen.

Wie hast du die Ausbildung zur Beraterin empfunden?

Sie hat mich auf jeden Fall gut auf die Tätigkeit vorbeireitet, auch wenn man später manchmal durch die Praxis ernüchtert wird. Man ist viel selbstständiger als sonst in der Uni. Für mich persönlich war die Ausbildung die interessanteste Zeit meines Studiums. Ich habe im ersten Jahr alle vier Schwerpunktscheine absolviert, was viel Arbeit war. Aber es hat sich gelohnt.

Inwiefern hat dich dein Engagement fachlich weitergebracht?

Man bekommt viel mehr Selbstbewusstsein, mit unbekannten Fallkonstellationen umzugehen. Im Studium hält man sich oft an Schemata und typische Klausurprobleme; in der Beratung ist jeder Fall anders. Oft gibt es auch kaum oder sogar noch gar keine Rechtsprechung zu dem konkreten Problem. Daher muss man sich selber Argumente überlegen, recherchieren und sich ganz auf den individuellen Fall einlassen. Dadurch hat man auch weniger Angst davor, dass im Examen unbekannte Normen oder Fallkonstellationen drankommen können.

Möchtest du später auch in diesem Bereich arbeiten?

Ich weiß es noch nicht genau, könnte mir aber z.B. vorstellen, Richterin im Sozialrecht zu werden. Wenn nicht, werde ich mich auf jeden Fall weiter ehrenamtlich in dem Bereich engagieren.

Was für Praktika hast du gemacht?

Bevor ich bei der GLC angefangen habe, habe ich ein Praktikum beim Auswärtigen Amt im Bereich Antisemitismus und Antiziganismus gemacht. Das war sehr spannend. Cool war auch das Praktikum bei einer Anwältin im Sozialrecht im Rahmen der Ausbildung zur Beraterin, da ich dort sehr eingebunden war und schon viel selbstständig arbeiten konnte.

Was ist dein Tipp für die zukünftigen Berater*innen, die im Wintersemester 17/18 mit ihrer Ausbildung begonnen haben?

Lasst euch nicht entmutigen von unbekannter Materie, vor allem bei den ersten Fällen. Es ist wichtig, motiviert und zuverlässig zu sein sowie strukturiert zu arbeiten. Bleibt auf jeden Fall dran, es lohnt sich!

Und was würdest du Jurastudierenden raten, die sich auch engagieren wollen?

Macht es auf jeden Fall! Je mehr aktive Berater*innen wir bei der GLC haben, desto besser können wir unser bestehendes Beratungsangebot gewährleisten und ausbauen. Der Bedarf nach Beratung ist nach wie vor hoch.

Vielen Dank, dass du dir Zeit für das Interview genommen hast, Hannah.


Interview mit Christoph (2017)

 Hallo Christoph! Seit wann bist du denn bei der GLC dabei?

Hallo. Ich bin Teil des ersten Jahrgangs, habe also im WiSe 2015/16 mit meiner Ausbildung als Berater begonnen. Damals war ich im 4. Semester. Jetzt bin ich gerade in der Examensvorbereitung.

Und was hat dich dazu bewogen, dich bei der GLC zu bewerben?

Ich wollte mehr Praxis neben dem Studium haben. Außerdem war ja 2015 das Jahr, wo sehr viele Geflüchtete nach Deutschland gekommen sind. Da wollte ich helfen und zwar mit meinem juristischen Hintergrund. Dann habe ich von Bekannten von der GLC gehört und mich nach dem Besuch einer Informationsveranstaltung hier beworben.

Was waren deine Erwartungen an die Beratertätigkeit?

Ich habe mir Kontakt mit Menschen erhofft, mit denen ich sonst wohl eher nicht ins Gespräch gekommen wäre. Diese Erwartung hat sich dann auch bestätigt. Die Begegnungen mit den nach Rat suchenden Menschen und das Kennenlernen ihrer Lebenssituation war eine wertvolle Erfahrung, die ich durch die Beratertätigkeit machen durfte.

Waren Sprachbarrieren zwischen euch Berater*innen und den Klient*innen für dich ein Problem?

Nein, es gab zwar häufig Sprachbarrieren, aber mit Englisch oder einem/einer Dolmetscher*in ließen diese sich gut bewältigen.

Zum fachlichen Teil: Waren Migrations- und Sozialrecht schon immer Rechtsgebiete, die dich interessiert haben?

Interessiert haben mich diese Rechtsgebiete vor allem aus den zuvor genannten Gründen ab dem Jahr 2015. Davor hatte ich von diesen Rechtsgebieten nicht viel gehört. Im Vergleich zum abstrakten Wissen aus dem Grundstudium kamen mir diese Rechtsgebiete praxisnäher vor. Es sind jedoch nicht die Rechtsgebiete, in denen ich später mal beruflich tätig sein will. Aber trotzdem war es sehr interessant, diesen Bereich kennenzulernen und ein bisschen über den Tellerrand des Grundstudiums zu schauen.

Und wie hast du die Ausbildung dann empfunden?

Die Ausbildung war sehr spannend. Besonders gut hat mir die Veranstaltung „Beratungskompetenz für Studierende“ gefallen, die ich mir als Schlüsselqualifikation anrechnen lassen konnte. Dabei habe ich viel über Soft Skills gelernt. Außerdem konnte ich die Seminararbeit als schwerpunktfremde Leistung einbringen.

Welche Praktika hast du denn gemacht?

Im Rahmen der Ausbildung habe ich ein Praktikum bei einer Anwältin im Sozialrecht gemacht. Ansonsten habe ich Praktika bei verschiedenen Großkanzleien in den Bereichen des Bank-, Steuer- und Wirtschaftsstrafrechts gemacht.

Was hast du noch neben dem Jurastudium und der Tätigkeit bei der GLC gemacht?

Ich habe nebenher BWL studiert, an einem englischsprachigen Moot Court teilgenommen und arbeite an einem Lehrstuhl.

Was wünschst du dir für die Zukunft der GLC?

Ich würde mir wünschen, dass sich bald so viel Routine entwickelt hat, dass sich der Fokus von der Organisation der GLC weg noch mehr auf die Inhalte richten kann. Außerdem würde ich mir eine größere Bekanntheit der GLC unter anderem an der Uni wünschen.

Was ist dein Tipp für die zukünftigen Berater*innen, die im Wintersemester 17/18 mit ihrer Ausbildung begonnen haben? Oder anders gefragt: Was würdest du vielleicht jetzt anders machen als damals, als du angefangen hast?

Wahrscheinlich würde ich noch aktiver sein als ich es war. Mein Tipp an die „Neuen“ ist auf jeden Fall: Bleibt am Ball. Nehmt alles mit von der Ausbildung und schreibt die Klausuren nach Möglichkeit mit. Lasst euch auf neue Dinge ein und lernt neue Menschen kennen. Bei der Beratung muss zwingend Verständnis für die Situation der Klient*innen aufgebracht werden. Man sollte stets ruhig bleiben und eine angemessene Distanz zu den Klient*innen wahren. Dafür ist gerade das bereits erwähnte Beratungskompetenz-Seminar sehr hilfreich.

Und was würdest du jetzt, wo du schon auf das Examen zugehst, Studierenden in den ersten Semestern des Jurastudiums raten, wenn sie sich auch engagieren möchten?

Konzentriert euch am besten die ersten beiden Semester ganz auf die Uni. Danach könnt ihr euch z.B. in studentischen Initiativen oder Vereinen engagieren. Es gibt so viele Möglichkeiten! Die GLC würde ich natürlich auch weiterempfehlen. Man braucht auf jeden Fall einen Ausgleich zum Studium. Außerdem lernt man tolle neue Leute kennen, auch unter seinen Kommilitonen. In unserem Beraterjahrgang haben wir z.B. sehr viel zusammen gemacht. Und es ist ganz einfach eine schöne Erfahrung, sich auf etwas Neues einzulassen.

Danke, dass du dir Zeit für das Interview genommen hast, Christoph.


Luisa bei "Soroptimist International"

Luisa, Jurastudentin und engagiertes Mitglied GLC seit Oktober 2015, war gerade zwei Wochen in den USA, um dort die NGO "Soroptimist International" kennenzulernen.

Ich habe sie zu einem Gespräch getroffen, um mehr von dieser spannenden Reise zu erfahren.

 

Hallo Luisa. Du warst ja gerade erst in Kalifornien. Was hast du da gemacht und wie bist du dazu gekommen?

Ich habe mich auf eine Ausschreibung meiner Heimatstadt Erlangen für das Austauschprogramm der „Soroptimist International“ beworben. Ich bekam die Möglichkeit in Kalifornien verschiedene Orte und Institutionen zu besuchen und lebte bei drei verschiedenen Familien.

Was macht diese Organisation genau? Was hast du für Einblicke bekommen?

Die Organisation setzt sich vor allem für Frauenrechte ein. Der Schwerpunkt liegt insbesondere auf der Unterstützung des Bildungszugangs junger Frauen. Sie bemühen sich aber auch um die Integration, vor allem von Hispanics in Kalifornien.

Wie genau setzen sich die Soroptimistinnen für Frauen und Mädchen ein?

Sie vergeben beispielsweise Stipendien für die sich Schülerinnen bewerben können. Außerdem vergeben sie Praktikumsplätze und geben Sprachkurse in Englisch. Weiterhin informieren sie über bürokratische Vorgänge, was vor allem für Migranten interessant ist.

Welche Erfahrung ist dir besonders im Gedächtnis geblieben bzw. welche Unterschiede zum deutschen Rechtssystem sind dir aufgefallen?

Besonders im Gedächtnis geblieben ist mir der Strafprozess. Hier kann man meiner Meinung nach am eindrucksvollsten den Unterschied zwischen dem Common Law System und unseren Rechtssystem sehen. Besonders aufgefallen ist mit hierbei, dass der Schwerpunkt des Strafrechts tatsächlich auf der Bestrafung und weniger auf der Resozialisierung liegt.

Auch sehr eindrücklich war die einseitige Rolle der Staatsanwaltschaft als reine Opferverteidigung und natürlich auch die Rolle der Jury im Prozess.

Ich habe auch ein Gefängnis besucht. Hier möchte man wirklich nicht einsitzen... Ich habe wahrgenommen, dass dort eigentlich überhaupt keine Resozialisierung stattfindet und dass die Menschen mit Eintritt ins Gefängnis eigentlich schon aufgegeben wurden.

Wie geht die amerikanische Gesellschaft deinem Empfinden nach mit dem Migrationsthema um?

Insgesamt war ich überrascht wie ablehnend große Teile der Gesellschaft vor allem hinsichtlich lateinamerikanischer Migranten ist. Im Vordergrund steht mehr die Angst, dass durch die Migration höhere Kosten für die Amerikaner entstehen könnten und doch weniger der Gedanke den Menschen helfen zu müssen.

Hier gibt es meinem Empfinden nach wenig Verständnis für die Menschen und ihre Situation. Viele Menschen dachten auch, dass gerade hier in Deutschland im Zuge der Flüchtlingskrise unser Lebensstandard sehr viel schlechter geworden sei und auch die Kriminalität sehr angestiegen sei.

Fallen dir Beispiele ein, wie sich die amerikanische Rechtslage zu der deutschen Rechtslage in Bezug auf Zuflucht suchende Menschen unterscheidet?

Ich habe das Gefühl, dass der größte Unterschied ist, dass in den USA rein nationales Recht gilt, anders als hier, wo ja viele völkerrechtliche Verträge und europäische Richtlinien Einfluss auf das Migrationsrecht nehmen. Ich hatte auch das Gefühl, dass unterstützende Institutionen wie kostenlose Rechtsberatung fehlen.

Außerdem gibt es ganz Kalifornien nur zwei Gerichte, die sich überhaupt mit Migrationsrecht beschäftigen und da können viele Betroffene gar nicht hin, da man einen Anwalt braucht, es aber keine Prozesskostenhilfe gibt.  Außerdem gibt es kein vergleichbares System wie AsylblG oder andere unterstützende Hilfe durch den Staat.  

Du hast ja auch eine Law Clinic besucht. Was hast du da für Einblicke gewonnen?

Ich hatte das Gefühl, dass die Clinics in den USA ein sehr etabliertes System ist und dementsprechend auch relativ viele Mitglieder aktiv sind.

Der Schwerpunkt der Law Clinic, die ich besucht habe, liegt jedoch mehr auf dem Migrationsrecht und Familienrecht. Vermutlich, weil der Fokus in Kalifornien eher auf der Migration von Lateinamerikanern als auf flüchtlingsrechtlichen Fragen liegt.

Außerdem hat sich die Law Clinic viel um Sponsoring bemüht und hat dementsprechend mit wirtschaftlichen Kanzleien und Unternehmen zusammengearbeitet.

Was nimmst du von deinem Besuch bei der NGO "Soroptimist International" mit?

Ich wurde darin bestärkt, dass es sehr wichtig ist, dass es solche Organisationen gibt, da sonst viele Menschen keinen Ansprechpartner oder einen Zugang zu Hilfe haben. Obwohl ich auch hier in Deutschland Probleme sehe, habe ich unser Rechtssystem zu schätzen gelernt - sowohl das universitäre als auch das rechtliche System an sich.

Während meines Aufenthalts ist mir eben auch besonders aufgefallen, dass in der amerikanischen Gesellschaft wenig Verständnis für sozialstaatliche Strukturen besteht und dass dieses eher als Belastung angesehen wird.